Wo eine Villa ist, ist auch ein Weg

Wie versichert man ein mittelalterliches Schloss? Oder einen Geheimtresor in der Garage? Wenn Maklerhäuser nicht weiterwissen, muss Matheus Skuta ran. Der Privatkundenprofi hat sich auf Luxusobjekte spezialisiert – und dabei die Bodenhaftung bewahrt.
Ein Besuch

Text: Claus Gorgs | Fotos: Christian Werner
 

Abbildung zu Matheus Skuta

Matheus Skuta ist gelernter Versicherungskaufmann, Versicherungsfachwirt und seit 2013 bei der vfm-Gruppe beschäftigt. Seit vier Jahren ist der 36-Jährige Teamleiter für das private Sachversicherungsgeschäft.

Die Geschichte mit dem Schloss belustigt Matheus Skuta noch immer. Der Versicherer rief ihn an, da sei ein Tippfehler in den Unterlagen des zu versichernden Mehrfamilienhauses. Das Baujahr sei doch sicher 1960, nicht 1060. „Aber das war kein Versehen“, sagt der fränkische Versicherungsexperte und grinst. Es handelte sich nämlich um ein mittelalterliches Landschlösschen, das ein Investor zu einer Luxuswohnanlage umgebaut hatte. Die hochwertige Ausstattung inklusive historischer Stuckarbeiten und Wandmalereien schlug sich natürlich in der Versicherungsprämie nieder. „Wenn es in einem solchen Objekt einen Rohrbruch gibt, kommt anschließend nicht der Maler, sondern der Restaurateur“, sagt Skuta. „Da muss man erst mal einen Versicherer finden, der Lust auf so was hat.“

Derart skurrile Fälle hat er öfter auf dem Tisch, sie sind sein Geschäftsmodell. Zum Gespräch hat er eine ganze Liste mitgebracht. Sie reicht von der Modelleisenbahn im Wert von 500.000 Euro über den gebrauchten Bugatti, der einst einem Rennfahrer gehörte, bis zum Unternehmer, der sich in seiner Garage eine Montagegrube wie in einer Autowerkstatt anlegen ließ – nur, um dort einen Tresor für seine Wertsachen einzubauen. „Obendrüber parkte er seinen Pick-up-Truck, ziemlich clever“, findet Skuta. 

Nur wie, um Himmels willen, versichert man so etwas? An dieser Stelle kommt die vfm-Gruppe ins Spiel, ein Maklerverbund mit Sitz in Pegnitz in Oberfranken. Vor gut 30 Jahren machte sich der frühere Allianz Vertreter Kurt Liebig in der Kleinstadt als unabhängiger Versicherungsmakler selbstständig. Heute ist nur noch ein kleiner Teil der inzwischen 130-köpfigen Belegschaft im klassischen Maklergeschäft tätig, das Gros arbeitet als Dienstleister für mehr als 1.000 selbstständige Vermittler:innen im ganzen Bundesgebiet.


Weinsammlungen und Luxusuhren

Ob IT-Support, Unterstützung beim Marketing, Fach- oder Rechtsberatung: vfm begleitet mittelständische Maklerhäuser und Mehrfachagent:innen als Verbund bei allen Themen, die für ein Einzelunternehmen allein schwer zu stemmen sind. Das schließt seltene oder ungewöhnliche Versicherungsanfragen ein. Denn nicht jede Vermittler:in kennt sich mit Kunstversicherungen aus und nicht jede Makler:in weiß, wie man eine Weinsammlung oder eine Luxusuhr richtig taxiert. Das sind die Momente, in denen bei Matheus Skuta das Telefon klingelt. Einmal meldete sich ein Kollege, weil einer seiner Kunden verstorben war, ein wohlhabender Bauunternehmer. Dieser hatte obsessiv Modellautos gesammelt und im leeren Swimmingpool im Keller gelagert. „Das Becken war randvoll“, erinnert sich Skuta. „Alles originalverpackt, ein Riesenwert.“ Statt die fällige Versicherungsprämie zu zahlen, wollte die Witwe die Sammlung lieber auflösen – nur wie? „Wir haben dann einen professionellen Ebay-Verkäufer engagiert“, sagt der Experte.
 

„Da muss man erst mal einen Versicherer finden, der Lust auf so was hat.

 

Tierärztin mit Hund, Katze und Besitzerin in einer Praxis

Wer anspruchsvolle Kund:innen kompetent beraten will, muss sich auch über den Wert von Luxushandtaschen auf dem Laufenden halten. Sachversicherungsexperte Matheus Skuta bei der Arbeit.


Mountainbike statt Lambo

In die Versicherungsbranche ist der 36-Jährige eher zufällig geraten. Weil es im Umkreis keine Lehrstelle in seinem Wunschberuf Groß- und Außenhandelskaufmann gab, fing er bei einem Maklerbüro im Nachbarort an: immerhin etwas Kaufmännisches. In der Ausbildung habe er dann erlebt, wie vielfältig die Branche ist: Vertragsrecht, Brandschutz, wertvolle Oldtimer versichern. Früh beschäftigte er sich mit der Frage, wie Bodenversiegelung Flutkatastrophen begünstigt. Ist ein schweres Unwetter vorhergesagt, telefoniert er schon im Vorfeld mit den Verbundpartner:innen in der betroffenen Region und mit den Versicherern, um im Ernstfall für einen schnellen und unbürokratischen Schadenausgleich sorgen zu können. Ehrgeizig war der Sohn schlesischer Spätaussiedler schon in der Berufsschule. „Meine Eltern sind nach Deutschland gekommen, um uns Kindern bessere Zukunftsperspektiven zu bieten“, sagt Skuta. „Auch deshalb war bei mir immer der Wille da, mehr zu wissen als die anderen.“

Heute weiß er jede Menge über den Wert von Luxushandtaschen und Rennpferden. Er hat regelmäßig mit Profisportler:innen zu tun, die nicht nur ihre Körper, sondern auch ihre Villen und Fuhrparks finanziell absichern wollen. Privat hält er eher Distanz zur Welt der Reichen und Berühmten. „Ich freue mich, wenn ich für die Kunden unserer Vermittler Probleme lösen kann, daraus ziehe ich meine Energie. Deswegen muss ich nicht selber einen Lambo in der Garage haben. Das Verrückteste, was ich tue, ist Mountainbike fahren.“

Neben dem Vertrauen seiner Kund:innen sind die guten Beziehungen zu Versicherern wie der Allianz Skutas wichtigstes Kapital. „Bei Policen für Profisportler oder Kunstsammlungen geht es schnell um mehrere Millionen Euro Deckung. Es gibt nur ganz wenige am Markt, die das können.“ Dass sich seine Ansprechpartner:innen dort auf seine Einschätzu gen verlassen, empfindet er als Ehre.

Im Versicherungsvertrag für das Wohnschloss, wurde das Baujahr 1060 schließlich eingetragen. Einen Schaden gab es bisher noch nicht. „Die Jahresprämien“, sagt Skuta, „sind so, dass sich der Mehraufwand für Vermittler und Versicherer lohnt.“