Teure Treue
Viele Menschen sehen Haustiere als Familienmitglieder – und behandeln sie auch so. Doch ausgerechnet bei der Tierkrankenversicherung sparen die meisten Halter:innen. Dabei kann sie nicht nur viel Leid ersparen, sondern auch ein finanzielles Desaster.
Text: Heimo Fischer | Fotos: Michael Löwa
Tierärztin Dr. Birgit Wiegand untersucht das Unfallopfer. Die Behandlung von Hund Chico kostete die Halterin 10.000 Euro. Viele Veterinäre empfehlen, eine Tierkrankenversicherung abzuschließen.
An den verhängnisvollen Spaziergang vor drei Jahren denkt Ingrid Roberts noch heute voller Schrecken. Ihr Hund Chico tobt durch einen Park in Kassel, übersieht eine steile Steintreppe – und stürzt. Er rappelt sich auf, doch er humpelt nur noch auf drei Beinen. Also ab in die Tierarztpraxis. Diagnose: Kreuzbandriss und Knochenbruch. Chico muss mehrfach operiert werden.
Erst nach einem Jahr kann der Hund wieder richtig laufen. „Ungefähr 10.000 Euro haben mich der Unfall und die Folgen insgesamt gekostet“, sagt Ingrid Roberts. „Ich habe mich ziemlich geärgert, dass ich keine Tierkrankenversicherung abgeschlossen hatte.“
Hierzulande ist das kein Einzelfall. Obwohl es 26 Millionen Hunde und Katzen gibt, hat nur etwa jeder fünfte Haushalt eine Tierkrankenversicherung. Dabei sind die vierbeinigen Freunde sonst sehr gut umsorgt: Mehr als sieben Milliarden Euro gaben die Deutschen 2024 für Futter und anderen Haustierbedarf aus – vom Halsband über den GPS-Tracker bis zum Luxuskörbchen oder dem Designer-Kratzbaum. Auch Tierarztbesuche lassen sie sich viel kosten. Ihre Lieblinge leiden zu sehen, ist für die meisten Menschen unerträglich.
Bestmögliche Behandlung
Auch Ingrid Roberts fühlt sich mit Chico und Terri, ihrer Katze, sehr verbunden, beide hat sie vor sieben Jahren aus dem Tierheim geholt. Heute sind die zwei im tierischen Seniorenalter und verstehen sich blendend. „Sie tun alles, was man ihnen sagt, und fotografieren lassen sie sich ausgesprochen gern“, sagt Roberts. Damit sie gesund bleiben, bringt die Halterin sie regelmäßig zur Vorsorge zu Birgit Wiegand. Die Kasseler Tierärztin leitet mit einer Kollegin eine große Gemeinschaftspraxis mit 20 Mitarbeiterinnen, davon sieben Tierärztinnen. Sie behandelt alle Arten von Kleintieren. „Vor allem Hunde und Katzen werden immer häufiger als Familienmitglieder angesehen“, bestätigt sie. Folglich sollen sie, wenn sie krank sind, eine ähnlich hochwertige Behandlung erhalten wie ein Mensch.
Entsprechend modern ist Wiegands Praxis ausgestattet. Es gibt drei Behandlungszimmer, einen Röntgenraum, ein Labor, einen modernen OP, eine Krankenstation sowie einen separaten Raum für Zahnbehandlungen. Die Tierärztin hat mit ihrer Kollegin viel in ihre Praxis investiert, um so umfangreiche Leistungen anbieten zu können, gerade erst haben sie für rund 10.000 Euro eine Spezialausrüstung für Augenuntersuchungen angeschafft.
96 % der Halter:innen geben an, dass das eigene Haustier ihr Leben
positiv beeinflusst.
In der Praxis: Tierhalterin Ingrid Roberts (rechts) geht mit ihren Haustieren regelmäßig zur Vorsorge in die Sprechstunde von Veterinärin Dr. Birgit Wiegand.
Schmerzen lindern ist teuer
Tierarztpraxen sind in der Regel gut ausgelastet: Fast jeder zweite deutsche Haushalt besitzt ein Tier. Tendenz steigend. Die Beziehung zwischen Mensch und tierischem Mitbewohner ist über die Jahre immer enger geworden. Eine britische Studie will herausgefunden haben, dass jede:r Fünfte den Tod eines Haustiers schlimmer fand als den Verlust eines nahen Angehörigen.
Hunde und Katzen bereichern das Leben, bringen aber auch Verantwortung mit sich. Haustiere benötigen regelmäßige Impfungen gegen gängige Infektionskrankheiten, wie zum Beispiel Tollwut. Zum Standard gehört außerdem eine vorbeugende Behandlung gegen Flöhe, Zecken und Würmer.
Bei jungen Tieren reicht das oft aus. Doch ähnlich wie beim Menschen wächst im Laufe ihres Lebens die Wahrscheinlichkeit für Unfälle oder chronische Krankheiten wie Arthrose. „Diese kann erhebliche Schmerzen verursachen“, sagt Wiegand. In solchen Fällen hilft eine Spritze alle vier Wochen. Sie macht den Liebling beschwerdefrei, ist aber nicht billig. Haustiere können auch an Diabetes erkranken oder Allergien entwickeln.
Katzen leiden oft an schmerzhaften Zahnerkrankungen, bei denen die schadhaften Zähne entnommen werden. Zuvor findet in der Regel eine Blutuntersuchung statt, um zu prüfen, ob das Tier eine Narkose verträgt. In manchen Fällen wird zusätzlich ein Herzultraschall gemacht und selbstverständlich erhalten die Tiere vor dem Eingriff eine Narkose. So können für eine Zahnsanierung leicht bis zu 2.000 Euro zusammenkommen.
Finanzielle Zerreißprobe
Ein weiterer Kostenfaktor sind die Honorare für Tierärzt:innen. Nachdem sie 23 Jahre nahezu unverändert geblieben waren, gab es im November 2022 eine kräftige Erhöhung. Aus Sicht der Praxen zu Recht, schließlich sind in der Zwischenzeit auch die Kosten für modernes Medizingerät und die Tarifgehälter gestiegen. Viele Tierhalter:innen indes wurden kalt erwischt: Die Preise in der Gebührenordnung für Tierärztinnen und Tierärzte (GOT) sind seither regelrecht explodiert.
So werden Behandlungen für Bello oder Minka schnell zur finanziellen Zerreißprobe. Ein Bandscheibenvorfall bei einem Hund kann inklusive MRT und Operation mit 6.700 Euro zu Buche schlagen.
Für die Entfernung eines Tumors bei der Katze fallen bis zu 1.900 Euro an. Besonders teuer wird es in der Pferdehaltung. Der finanzielle Albtraum aller Reiter:innen ist die Kolik: Das Tier leidet dann unter schweren Krämpfen. Für Notarzteinsatz, Operation mit Klinikaufenthalt und Nachsorge können 25.000 Euro fällig werden.
Veterinärpraxen empfehlen deshalb in der Regel den Abschluss einer Tierkrankenversicherung für Hunde, Katzen und Pferde. Doch knapp 80 Prozent der Tierhaltenden in Deutschland zahlen ihre Rechnungen nach wie vor aus dem eigenen Geldbeutel. Andere sind da schon weiter. „Wir wissen aus unseren Nachbarländern, dass dort schon viel mehr Tiere versichert sind“, sagt Hannah Groethuysen, Referatsleiterin Tierkrankenversicherung bei der Allianz. „Deshalb ist es in Deutschland nur eine Frage der Zeit, bis wir aufschließen werden.“
Sicherheit für alte Tiere
Die Allianz gehört zu den bekanntesten Anbietern von Tierkrankenversicherungen und hat zuletzt eine fünfstellige Zahl von Kund:innen hinzugewonnen. Die neue Police soll weitere Tierliebhaber:innen von den Vorteilen überzeugen (siehe Kasten). Die wichtigste Neuerung: Der Versicherungsschutz bleibt ein Tierleben lang bestehen. „Wir fördern Für- und Vorsorge stärker und geben Sicherheit bei hohen Tierarztkosten“, sagt Groethuysen. Denn wenn Hund und Katze zur Familie gehören, sollen sie auch so behandelt werden – wie ein Mensch. Auch ältere Tiere mit Vorerkrankungen können deshalb noch versichert werden.
Damit Tierhalter:innen, die durch die Behandlungskosten an ihre finanziellen Grenzen kommen, nicht auch noch monatelang auf die Erstattung warten müssen, hat die Allianz bei der neuen Tierkrankenversicherung auch diesen Punkt optimiert. 40 Prozent der digitalen Rechnungen werden dank KI-gestützter Prüfung in weniger als vier Stunden bearbeitet und ausgezahlt. Da ist oft das Geld schon auf dem Konto, bevor die Sorge darüber aufkommt.
Gute Pflege wird belohnt: Wer sein Tier gesund hält und nur Prophylaxeleistungen in Anspruch nimmt, profitiert vom steigenden Vorsorgebonus. Versicherte können bei der Police zudem zwischen acht verschiedenen Varianten auswählen: von der Abdeckung von Operationskosten bis zum umfassenden Vollschutz mit unbegrenzter Jahreshöchstleistung.
Zwar tut ein Sturz im Park Chico auch dann noch genauso weh wie vorher. Aber er bekommt auf jeden Fall die bestmögliche Behandlung, ohne dass diese seine Halterin finanziell überfordert.
