»Man muss einfach anfangen«

Mit der „Aktion Kilometerstand“ verbindet Josef Maier seine Leidenschaft fürs Motorradfahren mit sozialem Engagement. Für jeden gefahrenen Kilometer spendet er zehn Cent an die Nikolauspflege – eine Stiftung für blinde und sehbehinderte Menschen. Wie aus einer einfachen Idee ein Projekt wurde, das Menschen bewegt, und warum es manchmal nur den Mut braucht, einfach anzufangen.

 

Abbildung zu Josef Maier

Josef Maier ist langjährig in der Versicherungs- und Maklerbranche tätig und blickt auf rund 45 Berufsjahre zurück.

Wie ist die Idee zur Aktion entstanden und was genau ist die „Aktion Kilometerstand“?

Die Idee ist letztes Jahr entstanden, als ich mit 61 Jahren meinen Motorradführerschein gemacht habe. Motorradfahren ist ja etwas Besonderes: Man fährt nicht einfach von A nach B, sondern man fährt aus Freude – man ist unterwegs, nicht immer mit einem Ziel, einfach weil es Spaß macht. Und da hat es bei mir im Kopf Klick gemacht. Ich dachte: Nur spazieren fahren kann es nicht sein – daraus muss etwas Sinnvolles entstehen. So kam die Idee, pro gefahrenem Kilometer zehn Cent zu spenden.
Die Spenden gehen an die Nikolauspflege, die sich für die schulische, berufliche und gesellschaftliche Teilhabe von blinden und sehbehinderten Menschen einsetzt. Die Idee war von Anfang an offen gedacht: Jeder, der mitmachen möchte, kann das tun. Motorradfahrer sind eine starke Community, viele haben ein großes Herz – und vielleicht findet sich so der eine oder die andere, die das Projekt unterstützt.
 

Josef Maier beim Motorradtreffen mit der Nikolauspflege

Gemeinsam unterwegs: Josef Maier beim Motorradtreffen mit der Nikolauspflege


Ihre Aktion hat schnell Reichweite bekommen. Wie ist aus der ursprünglichen Idee ein Projekt geworden, das auch öffentlich wahrgenommen wird?

Relativ spontan. Letzten Sommer hat ein Radiosender morgens einen Aufruf gemacht: Wer engagiert sich sozial? Ich habe hingeschrieben und tatsächlich hat sich jemand gemeldet. Ich durfte kurz am Telefon erklären, worum es geht, und am Nachmittag wurde das gesendet.
Danach hatte ich plötzlich rund 1.000 Likes auf meinem Instagram Account. Das hat mich wirklich begeistert: Mit einem kleinen Impuls kann man viele Menschen erreichen.

In meinem Umfeld fanden viele die Aktion von Anfang an klasse. Und wenn eine Community wächst, wenn Menschen liken, teilen oder selbst aktiv werden, dann entsteht Reichweite – und damit Wirkung.


Sie engagieren sich schon lange sozial, besonders für die Nikolauspflege. Warum gerade diese Einrichtung?

Ein Musikerfreund von mir hat einen Sohn, der bei der Geburt einen Sauerstoffmangel erlitten hat und später in die Nikolauspflege kam. Über die Jahre habe ich gesehen, wie unterschiedlich sich das Leben entwickelt: unser eigenes Kind gesund - ein gleichaltriges Kind mit starker Behinderung.
Dazu kam mein Engagement als Nikolaus: Als Nikolaus verkleidet, war ich bei Familien, habe Krippenfeiern in der Nikolauspflege erlebt und gesehen, wie wertvoll die Arbeit dort für die Kinder und für deren Familien ist.  Das hat mich sehr geprägt und mir gezeigt, wie wichtig Engagement und Unterstützung sind.


Was war Ihnen bei der Ausgestaltung der Aktion besonders wichtig – gerade mit Blick auf Spenden und Beteiligung?

Mir war vor allem wichtig, dass die Aktion möglichst niedrigschwellig und ohne feste Vorgaben funktioniert, um möglichst viele Menschen zu erreichen und eine Community aufzubauen. Es soll keine Kontrolle geben und keinen „richtigen“ Weg, sich zu beteiligen. Ob jemand zehn Cent pro Kilometer spendet, einen festen Betrag gibt oder die Aktion einfach unterstützt, indem er sie teilt oder liked – all das zählt.

Gleichzeitig war mir wichtig, die Spendenabwicklung bewusst an die Nikolauspflege zu geben. Dort gibt es inzwischen eine eigene Spendenrubrik für die „Aktion Kilometerstand“, sodass gezielt dafür gespendet werden kann. Ich selbst erfahre gar nicht, wer wie viel spendet – am Jahresende kann die Einrichtung aber auswerten, was über diese Aktion zusammengekommen ist.


Viele Menschen haben gute Ideen, zögern aber, den ersten Schritt zu gehen. Was hat Ihnen geholfen, den ersten Schritt zu gehen?

Einfach anfangen. Nicht alles zerdenken. Ich sag immer: Im Machen merkst du, wie sich das Rad dreht. Es muss nicht perfekt sein. Entweder wächst eine Idee oder man lässt sie wieder los. Aber nichts zu tun ist schade.


Wie lässt sich so ein Projekt mit einem vollen Berufsalltag vereinbaren?

Das läuft vieles nebenher. Ich kenne volle Wochen, 60 Stunden sind keine Seltenheit. Aber soziales Engagement ist etwas anderes als die Tagesarbeit: es gibt einem Energie zurück.
Und wenn Termine verschoben werden müssen, weil man für ein soziales Projekt unterwegs ist, stoße ich fast immer auf Verständnis – auch bei Kund:innen. Über positive Dinge spricht man gern.


Gibt es Pläne für die Zukunft der Aktion?

Eine größere Idee ist eine Sternfahrt: Motorradfahrer aus verschiedenen Regionen treffen sich an einem Ort, begleitet vom Radio. Mit Berichterstattung im Vorfeld, gemeinsamen Touren und möglichst viel Aufmerksamkeit für die Aktion.
Wenn das klappt, wäre das großartig und würde die Reichweite noch einmal deutlich erhöhen.


Was hat Ihnen die Aktion persönlich gegeben?

Freude. Gemeinschaft. Das Gefühl, mit einer Idee nicht allein zu sein.
Ich habe letztes Jahr rund 7.000 Kilometer zurückgelegt und entsprechend gespendet. Ich hoffe, dass in diesem Jahr mit mehr Beteiligung ein paar Tausend Euro zusammenkommen.

Der eigentliche Ertrag ist aber ein anderer: Freude daran, etwas zu teilen, anderen zu helfen und zu sehen, wie eine Idee wächst.


Wenn Leser:innen nur eine Erkenntnis mitnehmen sollen – welche wäre das?

Über das eigene Business hinauszuschauen und den menschlichen Horizont zu erweitern. Nicht nur im beruflichen Tunnel zu bleiben, sondern wahrzunehmen, was um einen herum passiert – und etwas zurückzugeben. Man braucht manchmal nur einen stillen Moment, um neue Ideen zuzulassen. Und dann sollte man sie nicht liegen lassen, sondern anfangen.