»Schlankere Prozesse sind ein
Herzensthema für mich«

Im Maklergeschäft kennt Nicole Weyerstall sich bestens aus: Sie hat ihre gesamte Laufbahn bei Versicherungsunternehmen und -maklern verbracht. Hier erzählt die neue Vorständin für den Maklervertrieb Sach, was die Partner der Allianz von ihr erwarten dürfen.

Interview: Christian Weishuber | Foto: Dirk Bruniecki
 

Abbildung zu Nicole Weyerstall

Nicole Weyerstall ist Volljuristin und verantwortet seit Jahresbeginn den Maklervertrieb der Allianz Versicherungs-AG, die für das Schaden- und Unfallgeschäft in Deutschland zuständig ist. Vernetzen Sie sich mit Nicole Weyerstall auf LinkedIn.

Seit Januar 2026 ist Nicole Weyerstall verantwortlich für den Maklervertrieb der Allianz Versicherungs-AG. Die Branchenkennerin bringt umfassende Erfahrung aus verschiedenen Versicherungs- und Maklerhäusern mit – unter anderem als Vorständin im Mid-Market der Zurich Gruppe sowie zuletzt als geschäftsführende Gesellschafterin der Schuster Versicherungsmakler GmbH. Sie steht für klare Prozesse statt endloses E-Mail Ping-Pong. Im Interview spricht sie über ihren Wechsel zur Allianz, ihre Sicht auf den Maklermarkt und darüber, warum persönliche Beratung auch im Zeitalter künstlicher Intelligenz (KI) unverzichtbar bleibt.


Frau Weyerstall, was hat Sie an Ihrer neuen Aufgabe besonders gereizt?

Die Branche befindet sich in einer unglaublich dynamischen Phase – für Versicherer wie für Makler. Dieses Umfeld aus Veränderung und Tempo motiviert mich. Die Chance, den Maklervertrieb der Allianz in genau dieser Zeit aktiv mitzugestalten, habe ich sofort ergriffen. Dass ich 15 Jahre auf Versichererseite gearbeitet habe und anschließend neun Jahre ein Maklerhaus geführt habe, prägt meinen Blick. Es macht einen Unterschied, ob man über Makler spricht oder ihren Alltag selbst erlebt hat. Diese Erfahrung hilft mir, die Maklerperspektive authentisch ein zubringen und unsere Zusammenarbeit praxisnah weiterzuentwickeln.


Der Sachmaklervertrieb ist bei der Allianz in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Wo setzen Sie an?

Wir möchten unseren starken Marktauftritt weiter ausbauen. Von heute 2,8 Milliarden Euro Bestandsbeitrag wollen wir in diesem Jahr auf 3 Milliarden Euro wachsen. In der Kfz-Versicherung sind wir hervorragend unterwegs – das setzen wir fort. Großes Potenzial sehe ich zudem im Firmenkundengeschäft, insbesondere im Gewerbe und im Mittelstand. Ein persönliches Herzensthema sind für mich schlankere Prozesse. Große Unternehmen sind zwangsläufig komplex, müssen aber dennoch nicht kompliziert sein. Mit klareren Strukturen, digitaleren Abläufen und dem Einsatz von KI können wir deutlich schneller und effizienter werden. Makler brauchen Lösungen – nicht E-Mail-Ping-Pong.

 

Abbildung zu Nicole Weyerstall
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Welchen Stellenwert hat der Maklervertrieb innerhalb der Allianz – und wie verändert sich der persönliche Vertrieb?

Der Maklervertrieb ist nach der Ausschließlichkeit unser zweitstärkster Vertriebskanal in der Sachversicherung – und seine Bedeutung wächst weiter. Entscheidend bleibt aber immer, dass Kunden sich gut aufgehoben fühlen und starke Produkte zu fairen Preisen und eine Topleistung im Schadenfall erhalten. Gleichzeitig stehen wir vor einem Wandel: Kunden wollen persönliche Beratung, erwarten aber digitale Geschwindigkeit. KI eröffnet enorme Chancen, etwa in der Datenanalyse oder Prozessautomatisierung. Trotzdem bleibt Versicherung ein Vertrauensprodukt – bei wichtigen Entscheidungen sprechen Menschen lieber mit Menschen. Deshalb nutzen wir Technik konsequent für effizientere Abläufe, um die persönliche Beratung gezielt zu stärken.
 

Wie schätzen Sie die anhaltende Konsolidierung im Maklermarkt ein?

Die Konsolidierung ist seit Jahren spürbar und wird nicht abreißen. Die Anforderungen an Makler – fachlich, regulatorisch, technologisch – steigen weiter. Viele schließen sich daher Pools, Verbünden oder größeren Häusern an. Gleichzeitig gilt: Den Makler gibt es nicht. Die Geschäftsmodelle und Bedürfnisse sind extrem unterschiedlich. Unsere Aufgabe ist es, diese Vielfalt zu verstehen und individuelle Lösungen zu bieten, die zu jeder Struktur passen.


Was müssen Maklerinnen und Makler tun, um langfristig erfolgreich zu bleiben – und wie unterstützen Sie?

Entscheidend bleibt die Nähe zum Kunden. Wer nur Bestände hin- und herschiebt, wird auf Dauer nicht erfolgreich sein. Technik ist wichtig, aber sie ersetzt kein gewachsenes Vertrauensverhältnis. Wir unterstützen Makler mit starken Produkten, effizienten Prozessen und verlässlicher Zusammenarbeit. Wenn beide Seiten als Team agieren, gewinnt am Ende vor allem der Kunde – und das ist unser gemeinsames Ziel.
 


„Technik ist wichtig, aber sie ersetzt kein gewachsenes Vertrauensverhältnis.“

Nicole Weyerstall, Vorständin für den Maklervertrieb bei der Allianz Versicherungs-AG