08.10.2026
Ausgabe 2/2026

4 erfolgreiche Beratungsansätze bei der Pflegezusatzversicherung

Oft behindern beim Thema Pflege falsche Vorstellungen die richtigen Entscheidungen. Punkten kann, wer im Gespräch den passenden Ton findet. Diese bewährten Strategien erfolgreicher Vermittler:innen helfen.

Text: Christian Gottwalt
 

Rund 70 Millionen Menschen in Deutschland zahlen in eine gesetzliche oder private Pflegeversicherung ein. 3,2 Millionen von ihnen haben darüber hinaus eine private Pflegezusatzversicherung abgeschlossen. Das bedeutet: Rund 67 Millionen Pflegeversicherte haben keine. An der Situation änderte auch der „Pflege-Bahr“ nichts, mit dem die Pflegezusatzversicherung seit 2013 staatlich gefördert wird – der Bestand stagniert weitgehend. 


Die Zahl der Policen sinkt sogar 

Nach Angaben des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) ist die Zahl der Ver träge in den vergangenen Jahren sogar leicht zurück gegangen. Diese Entwicklung steht im erkennbaren Widerspruch zu einem Problem, das beständig größer wird. Denn der Eigenanteil für einen Platz im Pflegeheim steigt kontinuierlich und rasant. Im Schnitt müssen Betroffene über 3.200 Euro pro Monat selbst bezahlen. Das sind etwa 300 Euro mehr als im Vorjahr und gut doppelt so viel wie noch vor zehn Jahren. 

Weshalb sorgen trotzdem so wenige Menschen zusätzlich privat vor? Die Gründe sind vielfältig. Das größte Hindernis ist meist nicht die Beitragshöhe – gerade in jungen Jahren ist der Versicherungsschutz oft vergleichsweise günstig –, sondern psychologische Widerstände. 

Das Thema Pflege wird verdrängt und aufgeschoben, die eigenen Risiken verkannt und die Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung überschätzt. Gehandelt wird häufig erst, wenn ein Pflegefall in der eigenen Familie eintritt. Doch dann ist es oft zu spät, um sich noch zu günstigen Konditionen gegen das Risiko abzusichern – wenn es überhaupt noch möglich ist. Es steckt also viel Psychologie im Thema Pflege. Wer in der Beratung darauf Rücksicht nimmt, wählt einen Ansatz, der zum Denken und Fühlen der Kund:innen passt. 

Illustration: Eine Frau hält ein Handy
Illustration: Eine Frau hält ein Handy


1 Mit Emotionen Kund:innen gewinnen 

Pflegevorsorge wird besonders dann relevant, wenn sie nicht als Produkt, sondern als Verantwortung verstanden wird. Wer bei den persönlichen Beziehungen ansetzt, eröffnet ein Gespräch nicht mit Tarifvarianten, sondern mit einer authentischen Geschichte. Damit stellt dieser Beratungsansatz Familie, Partnerschaft und die Entlastung von Angehörigen in den Mittelpunkt. Eine Schlüsselfrage lautet: „Wer würde sich kümmern, wenn Sie es nicht mehr könnten?“ Wer echte Geschichten erzählt und die persönlichen Konsequenzen eines Pflegefalls greifbar macht, schafft Vertrauen und eröffnet Gespräche auf Augenhöhe. Zahlen und Tarife bleiben dabei erst einmal außen vor. Gerade bei Familien und langjährigen Kund:innen entsteht so der Raum für nachhaltige Vorsorgeentscheidungen. 

2 Mit Zahlen und Konzepten überzeugen

Rational denkende Menschen lassen sich weniger von Emotionen leiten, sondern von Fakten überzeugen. Diese bilden für sie die Grundlage für eine Entscheidung. Dieser Ansatz zeigt Pflegevorsorge als wichtigen Baustein der finanziellen Planung und macht Versorgungslücken anhand konkreter Berechnungen sichtbar. Statt emotionaler Appelle stehen Vermögensschutz, Einkommenssicherung und bestehende Altersvorsorge im Fokus. Idealer Anlass: ein Termin für die Besprechung der Ruhestandsplanung. Hier kann der Hinweis Augen öffnen, dass bei monatlichen Kosten von 3.500 Euro selbst Rücklagen von 200.000 Euro weniger als fünf Jahre reichen. Wer also die finanziellen Auswirkungen eines Pflegefalls transparent darstellt, verankert das Thema als logische Konsequenz einer ganzheitlichen Vorsorgestrategie. 

3 Mit der Drei-Generationen- Perspektive punkten

Pflegevorsorge lässt sich erfolgreich an Lebensereignisse anknüpfen. Ob die Geburt eines Kindes, ein Hauskauf, die eigene Ruhestandsplanung oder der Blick auf die Eltern: Dieser Ansatz verbindet Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu einer überzeugenden Vorsorgegeschichte. Makler:innen machen deutlich, dass Pflege kein Thema für später ist, sondern ein natürlicher Bestandteil jeder Lebensphase. Fragen wie „Wie sind Ihre Eltern mit dem Thema umgegangen?“, „Wie lange möchten Sie selbst aktiv und selbstbestimmt leben?“ und „Welche Freiheit möchten Ihre Kinder haben?“ berücksichtigen die Perspektiven aller drei Generationen und regen zum Nach denken an. So entsteht ein Gespräch, das ohne Druck auskommt und dennoch nachhaltig wirkt. 

4 Mit Pflegeexpertise begeistern 

Kund:innen mit hohem Informationsbedarf suchen Orientierung in einem komplexen Markt. Hier überzeugt fachliche Kompetenz. Der Ansatz positioniert Makler:innen als Spezialist:innen, die individuelle Lösungen entwickeln, Tarife transparent einordnen und auch komplizierte Situationen souverän begleiten. Dass die gesetzliche Pflegeversicherung nur als eine Art „Teilkasko“ konzipiert ist, weiß der Großteil dieser Zielgruppe bereits. Mit einer Gesprächseröffnung wie „Lassen Sie uns erst verstehen, was Sie wirklich wollen und brauchen“ wird die Beratungsleistung in den Vordergrund gestellt. Damit schafft man Vertrauen, differenziert sich vom Wettbewerb und wird zum langfristigen Ansprechpartner in allen Fragen der Pflegevorsorge.

 

„Das größte Hindernis sind oft psychologische Widerstände.“